Blockchain in der Energiewirtschaft

Im Jahr 2008 wurde unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erstmals die Idee einer Blockchain (BC) veröffentlicht. Diese ermöglicht es, Transaktionen in einem dezentralen Netzwerk auszuführen und die darin enthaltenen Daten manipulationssicher und transparent zu speichern. Nach der Inbetriebnahme des Bitcoin-Netzwerks, der Einführung von Smart Contracts in der Ethereum Blockchain und den enormen Wertsteigerungen der Kryptowährungen, erhielt die BC-Technologie zunehmend Aufmerksamkeit, auch aus der Energiewirtschaft.

Eigenschaften, die die Blockchain-Technologie auszeichnen sind unter anderem die Transparenz und fälschungssichere Speicherung von Daten. Konsensus-Mechanismen erlauben eine Disintermediation und Smart Contracts ermöglichen eine Automatisierung von Geschäftsprozessen. Andererseits erlebt der Energiesektor aktuell einen seiner größten Wandlungen, der Anteil an erneuerbaren Energien und die Anzahl an Prosumenten im Netz nehmen stetig zu. Die Blockchain-Technologie mit den zuvor erwähnten Eigenschaften stellt potenziell geeignete Möglichkeiten bereit, um die Herausforderungen der voranschreitenden Energiewende zu bewältigen.

Das Ziel des Lehrstuhls für Energiewirtschaft und Anwendungstechnik ist die Untersuchung des tatsächlichen Mehrwerts der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft.

Studenten haben im Rahmen unseres Energy-Blockchain-Lab@EWK die Möglichkeit sich zu engagieren, eigene Use Cases zu entwickeln, und diese auf der lehrstuhleigenen Blockchain zu testen und zu evaluieren.

Die folgenden Use Cases sind Bestandteil aktueller Untersuchungen:

Herkunftsnachweise

Ein Herkunftsnachweis (HN) ist ein elektronisches Zertifikat, dass festhält wie, wo, wann und wie viel erneuerbare Energie erzeugt worden ist. Es stellt somit sicher, dass erzeugte Energie lediglich einmal als erneuerbare Energie deklariert wird. Erzeuger können daraufhin diese elektronischen Zertifikate an Stromlieferanten verkaufen, die wiederum ihren Kunden „Grünen Strom“ anbieten. Mehrere Parteien, wie z.B. der Netzbetreiber, das Umweltbundesamt, Händler und Stromlieferanten etc., sind an diesem Prozess beteiligt. Die Generierung und der Handel der Herkunftsnachweise kann durch den Einsatz von Blockchain potenziell vereinfacht, automatisiert und transparenter gestaltet werden.

Peer-to-Peer-Energiehandel

Energie wird heutzutage in großen Mengen durch bilaterale Verträge oder an der Strombörse gehandelt. Konsumenten und Prosumenten sind aktuell nicht in der Lage ihre geringen Strommengen untereinander zu handeln. Eine Blockchain-Plattform, die einen Peer-to-Peer-Energiehandel zwischen Konsumenten und Prosumenten ermöglicht, stellt eine interessante Alternativen zu den bestehenden Verfahren dar. Ebenfalls wären entlegene, vom Netz getrennte Gebiete potenzielle Anwendungsgebiete. Plattformen, die dies leisten sollen wurden bisher in der Energiewirtschaft lediglich konzeptionell vorgestellt, jedoch noch nicht im Feld getestet.